läuft jetzt seit einigen Wochen im Fernsehen. Es ist das Casting-Highlight des Jahres, zumindest verkaufen es die Mannen von und um RTL so. Dabei darf man ruhig zugeben, dass das Konzept von “Das Supertalent” eigentlich gar nicht so schlecht ist. Man nehme Menschen, die sich durch ganz besondere Talente auszeichnen und stelle sie auf die Bühne. Dabei dürfen sich alle Altersgruppen auf der Bühne präsentieren: Alle die für andere Castingshows zu alt oder zu jung sein dürften. Und es ist egal, welche Talente sie besitzen, hauptsache sie können unterhalten. Da erscheinen auch schon einmal Tänzer, Akrobaten oder Sänger hintereinander.

Zusätzlich nehme man eine Jury, die von der öffentlichen Beliebtheit kaum zu übertreffen ist. Ein , der bereits bei Germany’s Next Top Model zum Star wurde, da er bei allerlei Emotionen auch selbst gerne Gefühle zeigte. Natürlich waren die Reaktionen von Bruce Darnell bei meist übertrieben, aber vom Publikum wurde er dennoch geliebt. Nach seinem Ausstieg wurden schlechte Zeiten für Germany’s Next Top Model prognostiziert. Die Sendung nahm jedoch keinen Schaden, lediglich Bruce Darnell konnte mit seinen neuen TV-Jobs niemanden überzeugen. Und so sitzt er wieder in einer Jury und kann seinen Gefühlen freien Lauf lassen.

Dann haben wir eine , die durch ihren Ehemann Rafael an Berühmtheit gelangte. Auch nach ihren Schicksalsschlägen in den letzten Monaten, darf man ihr allen Respekt zollen, auch weiterhin in der Jury zu sitzen. Über die Beliebtheit von Sylvie van der Vaart brauchen wir hierbei gar nicht sprechen: Überall wo Sylvie auftaucht, hat sie zahlreiche Verehrer. Jeder liebt sie. Selbst als Ehemann Rafael den Hamburger SV verlassen hatte, skandierten die Fans “Du kannst gehen, aber lass Sylvie hier”. Ein eindeutiger Liebesbeweis für Sylvie van der Vaart. Sie ist die gute Seele der Jury und zeigt dies auch offen. Wem bei dem Wesen der Sylvie van der Vaart nicht das Herz auf geht, der sieht vermutlich nicht so genau hin.

Und über den letzten Juror brauchen wir gar nicht erst reden: . Mit seinen ehrlichen und direkten Äußerungen teilt er oft die Massen, aber seine Beliebtheit kennt dennoch keine Grenzen. Egal, ob man ihn hasst oder ob man ihn liebt, irgendwo schaut und hört man ihm gerne zu.

Ein Grundkonzept, das Erfolg verspricht. Erfolg für die Juroren, für RTL und eigentlich auch für die Teilnehmer. Aber auch nur eigentlich. Das Konzept hat auch seine Schattenseiten: Um im Fernsehen die Massen in die Wohnzimmer zu ziehen, bedarf es auch Teilnehmer über die man sich lustig macht. Und dort kommt die Sendung oft genug an die Grenzen des guten Geschmacks.

Keine Frage, ein Ingo mit dem härtesten Bauch Deutschlands, der sich mit seinem Tanz zum Affen macht, will eigentlich keiner sehen. Aber man kann sich durch das Fremdschämen wunderbar über diesen Mann lustig machen. Das wissen auch die Macher der Sendung. Schließlich gibt es Vorausscheidungen, in denen entschieden wird, welcher Teilnehmer auf der Bühne zu sehen sein wird. Wenn man sich also nicht öffentlich über diese Menschen lustig machen will, was sonst? Das ist für die Zuschauer unter Umständen wirklich lustig, aber hat auch weitreichende Folgen für die Teilnehmer selbst. Nach einem verkorksten Auftritt, dürfen sich diese nicht mehr auf die Straße trauen. Dort werden diese Herrschaften erkannt, beleidigt und weiter ausgelacht. Und dieser Zustand wird auch noch einige Monate, wenn nicht sogar Jahre, anhalten. Aber allein die Auftritte auf der Bühne geben mir selbst das Gefühl einer öffentlichen Hinrichtung. Die Teilnehmer sind von sich selbst überzeugt, ob es gut oder schlecht ist, was sie darbieten, sei einmal dahingestellt, und werden auf der Bühne ausgebuht, beschimpft und verarscht. So geschehen bei Gerard dem Drehorgelspiegel oder einem 15-Jährigen Knaben der Entertainer werden wollte und mit Hasenohren auf die Bühne trat. Diese Herren waren von ihrem Produkt überzeugt und wollten damit lediglich die Leute unterhalten. Mit Schmährufen wurden sie jedoch tatsächlich öffentlich hingerichtet. Und eins muss man sagen: So skurril und schlecht die Darbietungen auch sind, sowas hat kein Mensch wirklich verdient, oder?

Allein der 15-Jährige mit den Hasenohren wird damit seine Kindheit größtenteils versaut haben. In der Schule wird sich ein Jeder über ihn lustig machen. Er wird ausgestoßen, verarscht und eventuell gar verletzt, sowohl physisch als auch psychisch. Alles begann mit einem kleinen Wunsch und einer kleinen Kinderei, aber damit kann sehr viel zerstört werden. Die Naivität dieses Jungen wird für die weiteren Jahre seines Lebensweges bestraft. Und jeder der aus dieser Zeit bereits rausgewachsen ist, weiß: Kinder und Jugendliche können ganz schön gemein sein! Und wenn man nicht genau mit dem Strom schwimmt, wird man schnell ein Opfer dieser jugendlichen Brutalität. Was zur Folge hat, dass man eventuell psychische Schäden erleidet.

Man mag hierbei zwar sagen “selbst Schuld”, aber viele dieser Teilnehmer wissen nicht, dass ihr Auftritt nicht so gut ankommen wird. Diese sind selber von sich überzeugt. Das ist vermutlich kein richtiges Argument, aber trotzdem kein Grund, um diese Menschen öffentlich bloßzustellen.

Ein weiterer Punkt, warum das Konzept nicht unbedingt als “ernst gemeint” einzustufen ist, ist jenes, dass man Äpfel mit Birnen vergleicht. Wie kann man eine Sängerin mit einem Tänzer vergleichen? Ist dies wirklich möglich? Man kann diese Künstler eventuell auf Unterhaltungswert überprüfen, aber das war es bereits. Einen wirklichen Vergleich kann man hier nicht aufstellen. Da war es bei dem Konzept “Star Search” schon ein wenig anders. Dort wurde zumindest kategorisiert. Und bei allen anderen Castingshows werden eben nur eine bestimmte Art von Künstlern gesucht. Da kann man wesentlich besser vergleichen, als bei “Das Supertalent“.

Und wenn dann mal ein ernstzunehmender Kandidat auftaucht, wird von den Produzenten auf die Tränendrüse gedrückt, bis zum geht nicht mehr. Schicksalsschläge, gesundheitliche Probleme, der Tod von Verwandten usw. Man braucht nicht drüber reden, dass es einem Teilnehmer dadurch nicht besonder gut geht, aber gehört so etwas wirklich ins Fernsehen? Was soll damit erreicht werden? Mitleid beim Publikum? Ich denke diese Menschen wollen kein Mitleid mehr haben, sie wollen ihre Schicksalsschläge verkraften und damit leben und nicht mehr tagtäglich damit belastet werden. Und Schicksalsschläge hat jeder Mensch schon einmal erlebt und muss diese verkraften. Und mit Schicksalsschlägen Quote machen zu wollen, empfinde ich persönlich als extrem dreist.

So schön und so unterhaltend “Das Supertalent” auch sein mag, es ist nicht alles Gold was glänzt. Diese Form der Unterhaltung hat auch viele Schattenseiten.

'Supertalent' TV Show

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